Informationen zur Innerortsentwicklung in Weyarn

Dorfmitte und Klosteranger

Ausgangslage

Die Gemeinde hat vor 20 Jahren das denkmalgeschützte Schlickenrieder-Anwesen (frühere Klosterbrauerei) samt Klosteranger für einige Millionen Mark erworben. Der Erwerb war als „Finanzanlage und Weiterentwicklungsmöglichkeit“ angedacht, aber auch als Hindernis gegen eine unkontrollierte Bebauung. Er war eine Investition in die Zukunft.

Ziel war stets, den Ortskern von Weyarn zu beleben, das marode Schlickenriedergebäude zu sanieren und in finanziellen Notjahren Kapital aktivieren zu können.
In den 70er und 80er Jahren begann, ausgehend von steigender Mobilität, der Wegfall vorhandener Infrastruktur (Lebensmittelmarkt, Friseur, Bekleidungsgeschäft, Möbelgeschäft, Gastwirtschaften usw.). Gleichzeitig wurden Ortserweiterungen und Entwicklungen an die Ortsränder verlagert. Das hat zur Zersiedelung geführt.

In den vergangenen Jahren haben sich jedoch die Rahmenbedingungen geändert:

  • Städtebaulich wird die Innerortsentwicklung statt Zersiedelung und Randbebauung – auch wegen der Verkehrsbelastung – angestrebt.
  • Verringerter Flächenbedarf bei Neubauten aufgrund gestiegener Grundstückspreise.
  • Mobilität wird immer teurer, wohnortnahe Versorgung wird immer interessanter.
  • Die Kommunalfinanzen sind vielfach angespannt.
  • Der Aufbau und Fortbestand einer intakten Infrastruktur (Versorgungs-/ Lebensmittelangebot, Gesundheitseinrichtungen wie Arzt, Apotheke, Gastronomie, Schulerhalt, Kindergärten) ist nur mit einem Zuwachs an Bevölkerung möglich.


Mögliche Häuseransichten der neuen Wohnbebauung

Planungshistorie

Bereits 2002 stand im Mittelpunkt der Diskussion im Gemeinderat, ob und wie das marode und dazu denkmalgeschützte Schlickenriedergebäude erhalten werden kann. Über viele Jahre hinweg wurde versucht, Interessenten für die Sanierung zu gewinnen. Alle Projekte scheiterten am finanziellen Mehraufwand für die Sanierung des alten  Gebäudes, den die Interessenten nicht bereit waren, mitzutragen.

Immer klarer erkennbar wurde die Notwendigkeit einer Belebung und Entwicklung in der Ortsmitte Weyarns. Deshalb hat der Gemeinderat im Mai 2009 beschlossen, Überlegungen anzustellen, ob eine Bebauung des Klosterangers erfolgen und wie die Bebauung ggf. behutsam und dorfverträglich gestaltet werden kann. Mit Hilfe von Landschafts- und Ortsplanern hat eine Projektgruppe aus dem Gemeinderat ein Konzept entwickelt.

Zur gleichen Zeit kam der erste Kontakt mit der Firma Quest zustande, der sich anfänglich nur auf das Schlickenriedergebäude bezog. Aufmerksam wurde die Gemeinde auf die Firma Quest durch die erfolgreichen Sanierungen der Kunstmühle in Rosenheim und der Alten Spinnerei in Kolbermoor. Nachdem ein geplantes Projekt in Bad Aibling nicht zustande gekommen war, sagte die  Firma Quest eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde zu. Mit der Firma Quest war ein Partner gefunden,  der bereit war,  in die Sanierung und damit den Erhalt der alten Klosterbrauerei (Schlickenriedergebäude) zu investieren.
In Folge der Zusammenarbeit und durch die konkreteren Vorstellungen des Gemeinderates zum Gesamtkonzept entwickelte sich die Bereitschaft der Firma Quest, das sog. „Höfe-Konzept“ der Gemeinde mit dem der Klosterstruktur angepassten Prälaturhof umzusetzen. Ebenso zeigte sie großes Interesse am Konzept des Generationen-Wohnprojekts und dem Erhalt des Dorfladens. Damit konnte dem Leitbild „Das Dorf in seinem Charakter erhalten, Ortskern und historische Gebäude pflegen und Ortsmittelpunkt beleben“ Rechnung getragen werden.

Nach dem ersten Planungsentwurf zur ehemaligen Klosterbrauerei erfolgten dann Zug um Zug weitere Planungsschritte:

  • Ehemaliger Prälaturhof mit altersgerechtem und barrierefreiem Wohnen
  • Gewerbliche Entwicklung an der Staatsstraße
  • zusätzliche Wohnbebauung

Mit einem vorläufigen Planungsentwurf zur Entwicklung der Ortmitte und des Klosterangers zogen sich im Februar 2011 der Gemeinderat und Mitglieder der Arbeitskreise Dorfmitte, Energie & Umwelt und Altersplanung  zu einer zweitägigen Klausurtagung zur Überarbeitung zurück.

Im Mai 2011 wurde über das weitere Vorgehen zur Innerortsentwicklung in einem Bürgerentscheid abgestimmt. Das Abstimmungsergebnis ermächtigte den Gemeinderat, die Planung weiter zu betreiben.

Aktueller Stand

Auf Initiative der Firma Quest wurde die bis dahin erarbeitete Entwurfsplanung nochmals auf den Prüfstand gestellt. Die Bedenken aus dem Bürgerentscheid, die dadurch veränderten Ausgangssituationen und denkmalschützerische Aspekte waren Anstoß dafür.

Ohne konkrete Vorgaben zu erhalten, haben zwei weitere Architekturbüros sich mit der Innerortsentwicklung Weyarns auseinandergesetzt.
Im November 2011 wurden ihre jeweiligen Ideen und Planungsskizzen dem Gemeinderat vorgestellt.

Sowohl der Gemeinderat als auch der Arbeitskreis Dorfmitte haben sich mit den unterschiedlichen Ansätzen und Möglichkeiten der beiden Architekturbüros auseinander gesetzt und sich einvernehmlich mit der Fa. Quest für ein Architekturbüro entschieden.

Eine Grundsatzentscheidung zur weiteren Planung ist im Februar 2012 gefallen.
Der Gemeinderat hat über die Gebäudestellung für den Prälaturhof abgestimmt. Mit einem Quer- und einem Längsbau soll an die historische Gebäudestellungen erinnert werden. Die derzeitige Planung des Prälaturhofes wurde in Abstimmung mit dem  Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt. Es riet aber von einer historischen Interpretation der Gebäude ab und empfahl stattdessen eine moderne, offene Version.
Außerdem sprach sich der Gemeinderat zum Bau einer Tiefgarage aus. Warten müssen dagegen die Planungen zur Wohnbebauung im Norden.

Mehr Informationen im Gmoablatt´l 3/2012 und im Bericht des Holzkirchner Merkur vom 22.2.2012.

Bauliche Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten


Weyarn um 1910


Weyarn um 1960


Weyarn um 1960


Weyarn heute

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